1.1 Was sind Satzglieder?
Satzglieder sind die funktionalen Bausteine eines Satzes, die als zusammengehörige Einheit erkannt, verschoben und ersetzt werden können. Sie erfüllen bestimmte syntaktische Funktionen und folgen grammatischen Regeln.
Definition für Experten:
Ein Satzglied ist eine syntaktische Einheit, die:
- Funktional zusammengehört (semantische Einheit)
- Syntaktisch verschiebbar ist (Umstellprobe)
- Durch ähnliche Einheiten ersetzbar ist (Ersetzungsprobe)
- Durch Fragen ermittelbar ist (Frageprobe)
- Eine bestimmte syntaktische Funktion erfüllt (Subjekt, Prädikat, Objekt, Adverbiale)
Abgrenzung: Satzglied vs. Wort vs. Attribut
| EINHEIT |
DEFINITION |
BEISPIEL |
VERSCHIEBBARKEIT |
| Wort |
Kleinste selbstständige sprachliche Einheit |
"schnell" |
Nicht allein verschiebbar |
| Satzglied |
Funktionale Einheit im Satz |
"der schnelle Läufer" |
Als Ganzes verschiebbar |
| Attribut |
Teil eines Satzglieds, gehört zu einem Nomen |
"schnelle" (in "der schnelle Läufer") |
Nur mit dem Bezugsnomen verschiebbar |
1.2 Die drei Erkennungsmethoden
METHODE 1: UMSTELLPROBE (Permutationstest)
Prinzip: Satzglieder lassen sich als Ganzes an verschiedene Positionen im Satz verschieben, ohne dass der Satz ungrammatisch wird.
Beispiel: "Der fleißige Schüler erklärt seinem Freund morgen die Aufgabe."
Systematische Umstellung:
1. Morgen erklärt der fleißige Schüler seinem Freund die Aufgabe.
2. Die Aufgabe erklärt der fleißige Schüler seinem Freund morgen.
3. Seinem Freund erklärt der fleißige Schüler morgen die Aufgabe.
4. Der fleißige Schüler erklärt morgen seinem Freund die Aufgabe.
Ergebnis: 5 verschiebbare Einheiten = 5 Satzglieder
METHODE 2: ERSETZUNGSPROBE (Substitutionstest)
Prinzip: Satzglieder lassen sich durch funktional ähnliche Wörter oder Wortgruppen ersetzen.
Original: "Der fleißige Schüler erklärt seinem Freund morgen die Aufgabe."
• Der fleißige Schüler → Er / Maria / Die Lehrerin
• erklärt → zeigt / bringt bei / vermittelt
• seinem Freund → mir / der Klasse / den Mitschülern
• morgen → heute / später / am Nachmittag
• die Aufgabe → sie / das Problem / die Lösung
METHODE 3: FRAGEPROBE (Interrogativtest)
Prinzip: Jedes Satzglied lässt sich durch eine spezifische Frage ermitteln.
Satz: "Der fleißige Schüler erklärt seinem Freund morgen die Aufgabe."
1. Was geschieht? → erklärt (Prädikat)
2. Wer erklärt? → Der fleißige Schüler (Subjekt)
3. Wem erklärt er? → seinem Freund (Dativobjekt)
4. Was erklärt er? → die Aufgabe (Akkusativobjekt)
5. Wann erklärt er? → morgen (Temporaladverbiale)
1.3 Unterschied 5. vs. 6. Schulstufe
| BEREICH |
5. SCHULSTUFE |
6. SCHULSTUFE (ERWEITERT) |
| Objekte |
Akkusativ-, Dativobjekt |
+ Genitiv-, Präpositionalobjekt, Prädikativ |
| Adverbiale |
4 Grundtypen (Zeit, Ort, Art, Grund) |
+ Final, Konditional, Konsekutiv |
| Attribute |
Einfache Adjektive |
Alle 5 Attributtypen systematisch |
| Sätze |
Hauptsätze |
+ Nebensatzanalyse vollständig |
| Terminologie |
Deutsche Begriffe |
Lateinische Fachsprache verpflichtend |
2.1 Akkusativobjekt (vertieft)
Das Akkusativobjekt steht im 4. Fall und antwortet auf die Frage "Wen oder was?"
Erkennung:
- Frage: Wen oder was?
- Artikel: den, die, das (m./n.), eine, einen
- Funktion: Meist direkt vom Verb abhängig
Beispiele:
- "Ich lese ein spannendes Buch." (Wen/was lese ich?)
- "Der Lehrer korrigiert die Schularbeiten." (Wen/was korrigiert er?)
- "Wir besuchen unsere Großeltern." (Wen/was besuchen wir?)
Häufige Verwechslung:
Akkusativobjekt vs. Adverbiale der Zeit:
- "Ich warte eine Stunde." → Wie lange? = Temporaladverbiale
- "Ich lese eine Geschichte." → Was? = Akkusativobjekt
2.2 Dativobjekt (vertieft)
Das Dativobjekt steht im 3. Fall und antwortet auf die Frage "Wem?"
Erkennung:
- Frage: Wem?
- Artikel: dem, der, den (Plural), einem, einer
- Funktion: Zeigt meist den Empfänger oder Nutznießer an
Beispiele:
- "Er hilft seinem Bruder." (Wem hilft er?)
- "Sie gibt der Lehrerin das Heft." (Wem gibt sie es?)
- "Das gehört meinen Eltern." (Wem gehört das?)
2.3 Genitivobjekt (NEU)
Das Genitivobjekt steht im 2. Fall und ist das seltenste aller Objekte. Es antwortet auf die Frage "Wessen?"
Nur bei bestimmten Verben:
- sich erinnern, gedenken, sich schämen
- sich bedienen, beschuldigen, bezichtigen
Beispiele:
- "Sie gedenken der Verstorbenen." (Wessen gedenken sie?)
- "Ich erinnere mich seiner Worte." (Wessen erinnere ich mich?)
- "Er schämt sich seines Verhaltens." (Wessen schämt er sich?)
Nicht verwechseln:
Genitivobjekt vs. Genitivattribut:
- Genitivobjekt: "Sie gedenken der Toten." (vom Verb abhängig)
- Genitivattribut: "Das Haus der Nachbarn ist schön." (gehört zum Nomen)
2.4 Präpositionalobjekt (NEU)
Das Präpositionalobjekt besteht aus einer Präposition + Nomen und ist fest mit dem Verb verbunden.
Erkennung:
- Test: Die Präposition ist nicht austauschbar
- Frage: Wonach? Worauf? Womit? etc.
- Besonderheit: Präposition gehört zum Verb
Beispiele:
- "Ich denke an dich." (Woran denke ich?)
- "Sie hofft auf besseres Wetter." (Worauf hofft sie?)
- "Er wartet auf den Bus." (Worauf wartet er?)
Schwierige Unterscheidung:
Präpositionalobjekt vs. Adverbiale:
| PRÄPOSITIONALOBJEKT |
ADVERBIALE |
"Er wartet auf den Bus." (Präposition fest mit Verb verbunden) |
"Er wartet an der Haltestelle." (Ortsangabe, frei wählbar) |
"Sie denkt an die Prüfung." (denken an = feste Verbindung) |
"Sie lernt am Nachmittag." (Zeitangabe, austauschbar) |
2.5 Gleichsetzungsnominativ/Prädikativ (NEU)
Der Gleichsetzungsnominativ (auch Prädikativ) steht nach bestimmten Verben und "ist dasselbe" wie das Subjekt.
Erkennung:
- Verben: sein, werden, bleiben, scheinen, heißen
- Test: Subjekt = Prädikativ (beide im Nominativ)
- Frage: Wer oder was ist/wird/bleibt das Subjekt?
Beispiele:
- "Mein Bruder ist Arzt." (Mein Bruder = Arzt)
- "Sie wird Lehrerin." (Sie = Lehrerin)
- "Das Wetter bleibt schön." (Wetter = schön)
- "Er heißt Thomas." (Er = Thomas)
Adverbiale Bestimmungen ergänzen den Satz um wichtige Umstände. In der 6. Schulstufe lernst du 7 verschiedene Typen kennen.
3.1 Temporal (Zeit) - erweitert
Die Temporaladverbiale gibt an, wann, wie lange, wie oft oder seit wann etwas geschieht.
| FRAGE |
BEISPIELE |
BESONDERHEITEN |
| Wann? |
heute, gestern, am Montag, um 8 Uhr |
Zeitpunkt |
| Wie lange? |
zwei Stunden, den ganzen Tag |
Zeitdauer |
| Wie oft? |
dreimal, täglich, nie |
Häufigkeit |
| Seit wann? |
seit gestern, seit drei Jahren |
Zeitbeginn |
| Bis wann? |
bis morgen, bis 16 Uhr |
Zeitende |
Komplexe Beispiele:
- "Seit drei Wochen trainiert he r täglich zwei Stunden."
- "Von Montag bis Freitag gehe ich morgens zur Schule."
3.2 Lokal (Ort) - erweitert
Die Lokaladverbiale gibt an, wo, wohin oder woher etwas geschieht.
| FRAGE |
BEISPIELE |
BESONDERHEITEN |
| Wo? |
zu Hause, in der Schule, dort |
Aufenthaltsort (Dativ) |
| Wohin? |
nach Hause, in die Schule, dorthin |
Richtung (Akkusativ) |
| Woher? |
von zu Hause, aus der Schule, daher |
Herkunft |
| Entlang was? |
den Fluss entlang, die Straße hinunter |
Weg/Verlauf |
Komplexe Beispiele:
- "Er läuft von der Schule nach Hause durch den Park."
- "Hier war früher an dieser Stelle ein alter Baum."
3.3 Modal (Art/Weise) - erweitert
Die Modaladverbiale gibt an, wie oder mit welchen Mitteln etwas geschieht.
| FRAGE |
BEISPIELE |
BESONDERHEITEN |
| Wie? |
schnell, vorsichtig, laut |
Art und Weise |
| Womit? |
mit dem Auto, per E-Mail |
Mittel/Instrument |
| Wodurch? |
durch Übung, mittels Technik |
Mittel/Ursache |
| Auf welche Weise? |
so, folgendermaßen, anders |
Verfahren |
Komplexe Beispiele:
- "Sie löst die Aufgabe sehr sorgfältilich mit dem Taschenrechner."
- "Durch intensives Training wurde er immer besser."
3.4 Kausal (Grund) - erweitert
Die Kausaladverbiale gibt den Grund oder die Ursache an.
| FRAGE |
BEISPIELE |
BESONDERHEITEN |
| Warum? |
wegen des Regens, vor Angst |
Direkter Grund |
| Weshalb? |
aufgrund des Unfalls, infolge der Hitze |
Logische Ursache |
| Weswegen? |
aus Versehen, aus Langeweile |
Motivation/Emotion |
Komplexe Beispiele:
- "Wegen des starken Regens fällt das Fußballspiel aus."
- "Er kam aufgrund einer Panne zu spät."
- "Aus Freude über die gute Note tanzte sie durch das Zimmer."
3.5 Final (Zweck) - NEU
Die Finaladverbiale gibt den Zweck oder das Ziel einer Handlung an. Das ist neu in der 6. Schulstufe!
Erkennung:
- Fragen: Wozu? Zu welchem Zweck? Mit welcher Absicht?
- Präpositionen: zu, für, zwecks, um...zu
- Bedeutung: Das Ziel oder der gewünschte Zweck
Beispiele:
- "Er lernt für die Prüfung." (Wozu lernt er?)
- "Sie kauft Blumen für ihre Mutter." (Für wen/wozu?)
- "Zur Entspannung hört er Musik." (Wozu hört er Musik?)
- "Er geht früh ins Bett, um ausgeschlafen zu sein." (Wozu?)
Nicht verwechseln:
Finaladverbiale vs. andere Adverbiale:
- Final: "Er übt für das Konzert." (Zweck)
- Temporal: "Er übt vor dem Konzert." (Zeit)
- Lokal: "Er übt im Konzertsaal." (Ort)
3.6 Konditional (Bedingung) - NEU
Die Konditionaladverbiale gibt die Bedingung an, unter der etwas geschieht. Das ist neu in der 6. Schulstufe!
Erkennung:
- Fragen: Unter welcher Bedingung? Wann nur? In welchem Fall?
- Wörter: bei, im Falle, unter der Bedingung, wenn
- Bedeutung: Die Voraussetzung für etwas
Beispiele:
- "Bei schönem Wetter gehen wir schwimmen." (Unter welcher Bedingung?)
- "Im Falle eines Alarms verlassen alle das Gebäude." (Wann?)
- "Unter dieser Voraussetzung stimme ich zu." (In welchem Fall?)
3.7 Konsekutiv (Folge) - NEU
Die Konsekutivadverbiale gibt die Folge oder das Ergebnis einer Handlung an. Das ist neu in der 6. Schulstufe!
Erkennung:
- Fragen: Mit welcher Folge? Mit welchem Ergebnis? Was ist die Folge?
- Wörter: zu, so...dass, infolgedessen, folglich
- Bedeutung: Das Resultat oder die Auswirkung
Beispiele:
- "Er ist zu müde zum Lernen." (Mit welcher Folge?)
- "Sie läuft so schnell, dass sie außer Atem ist." (Mit welchem Ergebnis?)
- "Es regnete stark, infolgedessen wurde das Fest abgesagt." (Was war die Folge?)
Merkhilfe für alle 7 Adverbiale:
| TYP |
FRAGE |
MERKWORT |
| Temporal |
Wann? |
Time = Zeit |
| Lokal |
Wo? |
Location = Ort |
| Modal |
Wie? |
Modus = Art |
| Kausal |
Warum? |
Kausa = Ursache |
| Final |
Wozu? |
Finis = Ziel |
| Konditional |
Wann nur? |
Konditio = Bedingung |
| Konsekutiv |
Mit welcher Folge? |
Konsequenz = Folge |
Attribute sind keine eigenständigen Satzglieder, sondern Teile von Satzgliedern. Sie beschreiben Nomen näher und antworten auf die Frage "Was für ein/e?"
Wichtiger Unterschied:
- Satzglied: Kann allein im Satz stehen und verschoben werden
- Attribut: Gehört immer zu einem Nomen und kann nur mit diesem verschoben werden
4.1 Adjektivisches Attribut
Das adjektivische Attribut ist ein Adjektiv, das ein Nomen näher beschreibt.
Erkennung:
- Frage: Was für ein/e?
- Stellung: Meist vor dem Nomen
- Deklination: Passt sich an Geschlecht, Zahl und Fall an
Beispiele:
- "Der fleißige Schüler lernt." (Was für ein Schüler?)
- "Ich sehe ein rotes Auto." (Was für ein Auto?)
- "Die neuen Bücher sind interessant." (Was für Bücher?)
Analyse: "Der fleißige Schüler lernt täglich."
• Subjekt: Der fleißige Schüler (mit adjektivischem Attribut "fleißige")
• Prädikat: lernt
• Temporaladverbiale: täglich
4.2 Genitivattribut
Das Genitivattribut steht im 2. Fall und gibt meist den Besitzer oder Zugehörigkeit an.
Erkennung:
- Frage: Wessen? Von wem?
- Stellung: Meist nach dem Nomen
- Artikel: des, der, eines, einer
Beispiele:
- "Das Auto meines Vaters ist rot." (Wessen Auto?)
- "Die Lehrerin der 6. Klasse ist nett." (Welche Lehrerin?)
- "Das Ende des Films war spannend." (Wessen Ende?)
Nicht verwechseln:
Genitivattribut vs. Genitivobjekt:
- Genitivattribut: "Das Haus des Nachbarn" (gehört zum Nomen "Haus")
- Genitivobjekt: "Ich gedenke der Verstorbenen" (gehört zum Verb "gedenken")
4.3 Präpositionales Attribut
Das präpositionale Attribut besteht aus Präposition + Nomen und beschreibt das Bezugsnomen näher.
Erkennung:
- Frage: Was für ein/e?
- Aufbau: Präposition + Nomen/Pronomen
- Stellung: Nach dem Bezugsnomen
Beispiele:
- "Das Buch über Tiere ist interessant." (Was für ein Buch?)
- "Der Mann mit dem Hut ist mein Onkel." (Was für ein Mann?)
- "Die Reise nach Italien was schön." (Was für eine Reise?)
4.4 Adverbiales Attribut
Das adverbiale Attribut ist ein Adverb oder eine adverbiale Bestimmung, die ein Nomen näher beschreibt.
Erkennung:
- Frage: Was für ein/e? Welche/r/s?
- Beispiele: Orts- und Zeitadverbien
- Stellung: Nach dem Bezugsnomen
Beispiele:
- "Der Baum dort ist sehr alt." (Welcher Baum?)
- "Das Konzert gestern war toll." (Welches Konzert?)
- "Die Leute oben sind laut." (Welche Leute?)
4.5 Apposition
Die Apposition ist eine besondere Form des Attributs - ein Nomen erklärt ein anderes Nomen näher.
Erkennung:
- Aufbau: Nomen + Nomen (beide im gleichen Fall)
- Funktion: Nähere Erklärung, Berufsbezeichnung, Titel
- Kommas: Oft durch Kommas abgetrennt
Beispiele:
- "Herr Müller, der Lehrer, ist nett." (Wer ist Herr Müller?)
- "Wien, die Hauptstadt Österreichs, ist schön." (Was ist Wien?)
- "Mein Freund Thomas kommt heute." (Welcher Freund?)
Übung - Attribute erkennen:
Satz: "Das neue Handy meines älteren Bruders aus dem Geschäft in der Stadt funktioniert dort oben sehr gut."
Finde alle Attribute:
- neue → adjektivisches Attribut zu "Handy"
- meines älteren Bruders → Genitivattribut zu "Handy"
- älteren → adjektivisches Attribut zu "Bruders"
- aus dem Geschäft → präpositionales Attribut zu "Handy"
- in der Stadt → präpositionales Attribut zu "Geschäft"
- dort oben → adverbiales Attribut zu einem Verb oder Satzglied
In der 6. Schulstufe musst du auch Nebensätze analysieren können. Nebensätze können verschiedene Funktionen haben und ersetzen ganze Satzglieder.
5.1 Subjektsätze
Ein Subjektsatz ersetzt das Subjekt des Hauptsatzes.
Erkennung:
- Frage: Wer oder was? (wie beim normalen Subjekt)
- Einleitung: dass, wer, was, ob
- Ersetzung: Kann durch "es" oder ein Nomen ersetzt werden
Beispiele:
- "Dass du kommst, freut mich." (Was freut mich?)
- "Wer zu spät kommt, verpasst den Beginn." (Wer verpasst den Beginn?)
- "Ob er Zeit hat, ist ungewiss." (Was ist ungewiss?)
Ersetzungstest:
"Dass du kommst, freut mich." → "Es freut mich." / "Dein Kommen freut mich."
5.2 Objektsätze
Objektsätze ersetzen verschiedene Arten von Objekten.
Akkusativobjektsatz:
Beispiele:
- "Ich weiß, dass er kommt." (Was weiß ich?)
- "Er sagt, er sei krank." (Was sagt er?)
- "Sie fragt, ob wir Zeit haben." (Was fragt sie?)
Dativobjektsatz:
Beispiele:
- "Er hilft, wem er kann." (Wem hilft er?)
- "Sie vertraut darauf, dass alles gut wird." (Wem/worauf vertraut sie?)
Präpositionalobjektsatz:
Beispiele:
- "Ich denke daran, dass wir uns treffen." (Woran denke ich?)
- "Sie hofft darauf, dass sie gewinnt." (Worauf hofft sie?)
5.3 Adverbialsätze
Adverbialsätze ersetzen adverbiale Bestimmungen und geben die gleichen Umstände an.
Alle 7 Typen als Nebensätze:
| TYP |
FRAGE |
EINLEITUNG |
BEISPIEL |
| Temporal |
Wann? |
als, wenn, während, nachdem |
"Als er kam, freuten wir uns." |
| Lokal |
Wo? |
wo, wohin, woher |
"Wo er wohnt, ist es ruhig." |
| Modal |
Wie? |
indem, dadurch dass |
"Er lernt, indem er übt." |
| Kausal |
Warum? |
weil, da, zumal |
"Er ist müde, weil er wenig schlief." |
| Final |
Wozu? |
damit, um zu |
"Er lernt, damit er besteht." |
| Konditional |
Wann nur? |
wenn, falls, sofern |
"Falls es regnet, bleiben wir daheim." |
| Konsekutiv |
Mit welcher Folge? |
so dass, sodass |
"Er lernte viel, sodass er bestand." |
5.4 Attributsätze/Relativsätze
Attributsätze (meist Relativsätze) ersetzen Attribute und beschreiben ein Nomen näher.
Erkennung:
- Frage: Was für ein/e? Welche/r/s?
- Einleitung: der, die, das, welcher, welche, welches
- Bezug: Bezieht sich immer auf ein Nomen im Hauptsatz
Beispiele:
- "Der Schüler, der fleißig lernt, bekommt gute Noten." (Welcher Schüler?)
- "Das Buch, das ich lese, ist spannend." (Welches Buch?)
- "Die Lehrerin, deren Unterricht interessant ist, ist beliebt." (Was für eine Lehrerin?)
Unterscheidung wichtig:
Gliedsatz vs. Attributsatz:
- Gliedsatz: Ersetzt ein ganzes Satzglied, kann durch ein Wort ersetzt werden
- Attributsatz: Gehört zu einem Nomen, kann nur durch ein Adjektiv ersetzt werden
Beispiel:
- "Ich weiß, dass er kommt." → Objektsatz (Gliedsatz)
- "Der Mann, der dort steht, ist mein Vater." → Attributsatz
Diese Kompetenzen musst du beherrschen:
Grundlagen (Pflicht für alle Noten):
- Alle 5 Grundsatzglieder sicher erkennen (Subjekt, Prädikat, 3 Objektarten)
- 4 Grundadverbiale unterscheiden (temporal, lokal, modal, kausal)
- Umstellprobe, Ersetzungsprobe, Frageprobe anwenden
- Einfache Attribute von Satzgliedern unterscheiden
Erweitert für "Gut" (Note 2):
- Alle 5 Objektarten sicher bestimmen (+ Genitiv-, Präpositionalobjekt, Prädikativ)
- Alle 7 Adverbialarten erkennen (+ final, konditional, konsekutiv)
- Alle 5 Attributarten systematisch anwenden
- Einfache Nebensätze analysieren
- Häufige Verwechslungen vermeiden
Expert für "Sehr gut" (Note 1):
- Komplexe Satzgefüge mit mehreren Nebensätzen vollständig analysieren
- Mehrdeutigkeiten erkennen und verschiedene Interpretationen begründen
- Funktionale Unterscheidung: Warum steht dieses Satzglied hier?
- Kontextabhängige Bestimmung: Je nach Kontext verschiedene Analysen
- Präzise Terminologie: Alle lateinischen Fachbegriffe korrekt verwenden
- Systematische Herangehensweise: Strukturiert und methodisch vorgehen
- Fehleranalyse: Eigene und fremde Fehler erkennen und korrigieren
- Transfer: Wissen auf neue, unbekannte Sätze anwenden
Prüfungsstrategie für "Sehr gut":
SCHRITT 1: Überblick verschaffen
- Satz 2x aufmerksam lesen
- Schwierige Stellen markieren
- Nebensätze identifizieren
SCHRITT 2: Systematisch vorgehen
- Prädikate aller Teilsätze finden
- Subjekte zu jedem Prädikat bestimmen
- Objekte systematisch durchgehen (Akk, Dat, Gen, Präp)
- Adverbiale alle 7 Typen prüfen
- Attribute alle 5 Typen bei jedem Nomen prüfen
- Nebensätze nach Funktion klassifizieren
SCHRITT 3: Kontrolle
- Jedes Wort einem Satzglied zugeordnet?
- Keine Verwechslungen (siehe Tabelle oben)?
- Terminologie korrekt verwendet?
- Analyse logisch und vollständig?
Muster-Beispiel für "Sehr gut":
Komplexer Satz: "Es ist schön, dass der fleißige Schüler, der immer pünktlich kommt, heute seinem Freund die schwierige Aufgabe erklärt hat, damit dieser morgen für die Prüfung lernen kann."
Expert-Analyse:
- Hauptsatz 1: "Es ist schön"
- Subjekt: Es (Platzhalter für den dass-Satz)
- Prädikat: ist
- Prädikativ: schön
- Subjektsatz: "dass der fleißige Schüler [...] erklärt hat"
- Subjekt: der fleißige Schüler (mit Attributsatz)
- Prädikat: hat erklärt
- Dativobjekt: seinem Freund
- Akkusativobjekt: die schwierige Aufgabe
- Temporaladverbiale: heute
- Attributsatz: "der immer pünktlich kommt"
- Bezieht sich auf "Schüler"
- Frage: Was für ein Schüler?
- Finalsatz: "damit dieser morgen für die Prüfung lernen kann"
- Zweck der Handlung
- Frage: Wozu erklärt er die Aufgabe?
Besonderheit: Der dass-Satz ist gleichzeitig Subjektsatz zum Hauptsatz und enthält selbst einen Attributsatz - das ist komplexe Verschachtelung auf Experteniveau!